Alleskönner Alge?

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Die Erwartungen an die Wasserpflanze sind hoch: Am besten sollen wir sie tanken, tragen, trinken, essen und noch mehr. Im Gegenzug soll die Alge die Umwelt schützen und über kurz oder lang sogar die ganze Welt retten. Kann der grüne Meeresbusch solch hohe Erwartungen wirklich erfüllen?

Glibberiges aus dem See oder Meer! Das war bei vielen bisher wohl die erste Assoziation bei dem Wort „Alge“. Doch bereits seit einigen Jahren erfährt das „grüne Zeug“ stetig wachsendes Interesse auf der ganzen Welt. Der Plan einiger Algen-Fans und Seegras-Forscher*innen scheint tatsächlich zu sein, sie überall mitmischen zu lassen: im Essen, in der Kosmetik, in der Medizin, ja sogar im Tank sowie als Bestandteil von Kleidung und anderen Materialien. Ist das ein Algen-Albtraum oder züchten wir uns tatsächlich ein grünes Genie?

Was sind eigentlich Algen?

Algen sind Lebewesen, die wie die Pflanzen unserer Landbewohner-Umgebung Photosynthese betreiben. Doch sie tun sich gegenüber Baum, Strauch und Wiesengras dadurch hervor, dass sie hauptsächlich im Wasser beheimatet sind, und zwar sowohl im Salz- als auch im Süßwasser. Und weil sie in den Gewässern der Erde insgesamt in sehr großer Menge vorhanden sind, gelten sie als unsere wichtigsten Sauerstoff-Lieferanten – wichtiger noch als die Regenwälder, die „grünen Lungen“ unseres Planeten. Denn Algen „verspeisen“ insbesondere in den Weltmeeren nicht nur Stickstoff und Phosphate, sondern auch enorme Mengen an Kohlendioxid. Jedes zweite Sauerstoffmolekül, das wir einatmen, soll aus der Algen-Photosynthese stammen. Einordnen lassen sich Algen nach ihrer Größe: Mikroalgen sind mikroskopisch kleine Arten. Dazu gehört das Phytoplankton, also jene winzigen Einzeller, die frei durch das Meerwasser schweben. Eine Länge von wenigen Millimetern bis zu beeindruckenden 60 Metern erreichen hingegen die Makroalgen. Dazu zählt jenes glibberige Kraut, das uns beim Baden als Seetang um die Beine schlingert. Was allerdings kaum jemand vermutet: Es gibt auch Algen an Land, wie die Luftalgen, die auf Felsen wachsen. Oder die mysteriösen Schneealgen: Wenn in Polarregionen das Eis langsam schmilzt, lässt sich hier eine Grünalge-Art nieder, die für das unheimlich anzusehende Phänomen des Blutschnees verantwortlich ist. Sie taucht das Weiß des Eises in ein tiefes Rot. Blaualgen übrigens, die manchmal in Badeteichen „blühen“ und das Wasser mit einer intensiv blau-grünen, manchmal auch für den Menschen giftigen Schicht überziehen, gehören nicht zu den Algen, sondern zu den Bakterien. Über die Anzahl der Algen-Arten sind sich die Wissenschaftler*innen allerdings nicht einig. Laut Thomas Brück, dem Leiter des Fachgebietes Industrielle Biotechnologie an der Technischen Universität München, gibt es ca. 150.000 Mikroalgen, von denen gerade einmal etwa 5000 ansatzweise erforscht sind. Lediglich 10 davon befinden sich bisher in der industriellen Anwendung. Doch dabei wird es wohl nicht bleiben, denn die Alge ist heute als Rohstoff gefragter denn je.

Mit Algenpower Vollgas geben

Eins der verlockendsten Potenziale der Meerespflanze ist wohl, dass sich mehrere Sorten Kraftstoff daraus herstellen lassen: Biowasserstoff, Biogas, Bioethanol und auch Biodiesel. Für letzteren wird aus einigen Algenarten Öl gewonnen, das wiederum in einen nachhaltigen Biotreibstoff umgewandelt wird. Was auf den ersten Moment ziemlich unglaublich klingt, ergibt bei genauerem Hinsehen Sinn. Denn eigentlich ist das uns bekannte Erdöl nichts anderes: Im Meer sinkt das abgestorbene Phytoplankton in die Tiefsee ab, wo es unter hohem Druck nach vielen Jahrtausenden zu Erdöl und Erdgas wird. Nun ist die Idee von Forscher*innen aus Wissenschaft und Industrie, Flugzeuge & Co. in Zukunft mit dem „jüngeren“ Algentreibstoff in Gang zu setzen. (…)

Den vollständigen Artikel lesen Sie ab Seite 122 in der August/September-Ausgabe 2016, die Sie hier bestellen können. Alle Hefte schicken wir Ihnen portofrei zu.