Die vier Leder-Legenden

Legende 2: „Das Leder bei uns ist sicher”

Wer aber in Deutschland Leder kauft, holt sich jene Chemikalien letztlich mit ins Haus und auf die Haut. Sie fänden ganz unterschiedliche Substanzen im Leder, die auch aus der Oberfläche diffundierten, erzählt Schadstoffexperte Dr. Schelle im ZDF-Interview: „Auch solche mit toxikologisch wirksamem Profil.“ Sprich: Stoffe, die Krebs auslösen können, das Erbgut schädigen oder die Fortpflanzungsfähigkeit einschränken. Bei toxikologischen Tests lässt besonders häufig Chrom die Alarmglocken schrillen, mit dem 90 % unseres Leders gegerbt wird. In der Herstellung kommt zwar „nur” das unbedenkliche Chrom III zum Einsatz. Hochgiftig ist dagegen Chrom VI, ein Schwermetall. Doch genau dieses entsteht durch bestimmte Prozesse, wie Hitzeentwicklung, aus Chrom III im Leder. Es kann nicht nur Krebs erzeugen, sondern auch Asthma, Ekzeme und Allergien. Bildet sich etwa Chrom VI im Schuh, gelangt es über den Schweiß sogar durch Socken hindurch auf die menschliche Haut.

Immer wieder mussten in den letzten Jahren Unternehmen wie Decathlon oder Zalando Produkte zurückrufen. 2013 kam Stiftung Warentest zu dem Schluss, dass von 60 auf dem deutschen Markt getesteten Lederartikeln jeder fünfte Kinderschuh und jeder dritte Arbeitshandschuh gefährlich kontaminiert ist. Auch im europäischen Frühwarnsystem RAPEX finden sich zahllose Einträge zu Lederartikeln, von Ramsch- bis Markenware, die mit Chrom VI verseucht sind – aber auch mit anderen Stoffen wie Arsen oder Blei.