Ernte, Tod und Partytime

Danke fürs Schuften (Japan)
Den „Tag des Dankes für die Arbeit“ („Kinrô kansha no hi“) feiern Japaner*innen alljährlich am 23. November. Was erst mal ein bisschen dröge nach Strebsamkeit und Karriere klingt, hat im Grunde einen schönen Sinn: Gewürdigt wird das, was andere Menschen tagtäglich zum Wohle der Gemeinschaft tun. So basteln und malen z.B. Kinder kleine Aufmerksamkeiten für Polizist*innen, um für die Sicherheit zu danken, die diese gewährleisten. Der Feiertag hat sich aus dem Erntedankfest „Niinamesai“ entwickelt, bei dem der Kaiser in einem shintōistischen Ritual den ersten frisch geernteten Reis den Göttern opferte. Besonders in städtischen Regionen kam nach dem zweiten Weltkrieg eine weitere Bedeutung hinzu – geehrt werden seitdem die neue Verfassung sowie die in ihr enthaltenen Menschen- und insbesondere Arbeitnehmer*innenrechte. Seit 1948 ist der Arbeitsdanktag ein gesetzlicher Feiertag. Vielleicht sollten wir einfach so auch mal Danke sagen zu denen, die uns im Einzelhandel, bei der Müllabfuhr, in Krankenhäusern, Schulen und an vielen anderen Stellen das Leben einfacher, schöner oder bunter machen.

Ganz schön tot (Bolivien)
Ob hierzulande in besinnlicher Stille auf Friedhöfen oder als ausgelassenes, farbenfrohes Volksfest in Mexiko – Ende Oktober und/oder Anfang November wird vielerorts der Toten gedacht. Bizarrer noch als die bunt bemalten „Sugar Skulls“ aus Ton oder Zuckerrohr, die man am mexikanischen „Dia de los Muertos“ („Tag der Toten“) sichtet, mutet das an, was man am „Dia de los Ñatitas“ auf einem Friedhof im bolivianischen La Paz sichten kann. Wörtlich übersetzt bedeutet er „Tag der kleinen Nasen“, womit „Tag der Totenköpfe“ gemeint ist. Hier werden echte menschliche Schädel mit Blumenkränzen, Sonnenbrillen, Mützen oder auch dicken Zigarren geschmückt, zwischen den Gräbern wird gepicknickt und Musik gemacht. Wer nicht den Totenkopf eines verstorbenen Angehörigen besitzt, kann den eines/einer Unbekannten kaufen, den er dann zu Hause ein Jahr lang an einem Ehrenplatz aufbewahrt. Verrät dieser Schädel seinen Besitzer*innen im Traum seinen Namen, wartet auf diese Glück, falls nicht, muss er das Haus wieder verlassen.

Schuhe für die Weihnachtstrolle (Island)
Wer begnügt sich schon mit einem Weihnachtsmann, wenn er derer 13 haben kann? In Island versüßt tatsächlich eine ganze Trollschar die Adventszeit – wobei es diese armen Kerle leider nicht gerade leicht haben. Das Jahr über dürfen die 13 Söhne der jahrhundertealten Trollfrau Grýla nämlich das Haus nicht verlassen, nur vom 12. Dezember an darf jeden Tag einer von ihnen einen kleinen Ausflug machen – im Dunkeln, sonst wird er zu Stein! Isländische Kinder stellen jedem Weihnachtstroll in dieser Countdown-Zeit einen Schuh aufs Fenstersims und hoffen auf kleine Geschenke. Mitunter wird der jeweilige Kerl auch mit einer kleinen Aufmerksamkeit freundlich gestimmt: Der kurz geratene Stúfur (14. Dezember) freut sich etwa über einen Stuhl vor dem Fensterbrett, Gáttaþefur dagegen, der „Türschlitzschnüffler“ (22. Dezember), liebt Laufabrauð, ein frittiertes Fladenbrot, das traditionell in der Weihnachtszeit gebacken wird.

Weihnachts-Veggie (Ägypten)
Recht erfreulich ist der Brauch der christlichen Ägypter, in den 43 Tagen vor Weihnachten nur vegetarische Gerichte zu essen – wobei es leider einen kleinen Haken gibt: Nach Mitternacht ist das Essen von Fleisch wieder erlaubt. Und auch das traditionelle Weihnachtsessen Fata enthält neben Reis, Brot und Knoblauch gekochtes Fleisch. Hoffen wir einfach, dass die Veggie-Kost in den 43 Tagen viele so glücklich macht, dass sie vor Mitternacht selig schlummernd in ihren Betten liegen und die Lust auf pflanzliche Leckereien auch nach den Feiertagen anhält …

Eins und Eins und Eins und Eins mach zwei! (China)
Köln startet am 11.11. in die Karnevalssaison, in China dagegen ist dieser Tag den Singles gewidmet, die eben durch die Einsen im Datum symbolisiert werden sollen. Am „Guanggun Jie“ („Single-Tag“) wurde ursprünglich in den 1990er-Jahren von Studenten in Nanjing erfunden, die ihr Junggesellen-Dasein ausgelassen feierten. Mittlerweile ist der Tag auch bei Frauen beliebt. Auf Blind-Date- über Karaoke-Partys knüpfen junge Leute neue Freundschaften und finden mitunter vielleicht sogar die Liebe ihres Lebens – womit die Bedeutung der Eins sich ändert: Nun wird gefeiert, dass man den*die „Einzige“ für sich gewinnen konnte.