Fracking: Der falsche Durchbruch

 

 

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Copyright: greensefa (Foto oben), Calin Tatu (Bild Slideshow)

 

 

Die umstrittene Schiefergasförderung spaltet die Gemüter. Was man darunter versteht, ob sie sich wirtschaftlich lohnt und wie schädlich sie ist – eine Bestandsaufnahme.

 

 

Von einem „Weckruf für Europa“ sprach der britische Premierminister David Cameron im Zuge des Konflikts in der Ukraine. Einem Weckruf, der zu einem Umdenken in der Absicherung der europäischen Energieversorgung führen solle. Inzwischen hat die Bundesregierung Sanktionen gegen Russland beschlossen, woher zuletzt 31 Prozent der deutschen Erdöl- und Erdgasimporte stammten (Stand: August 2014). Ein Handelsstopp könnte sich auf Deutschland negativer auswirken als auf Russland: Fallen preisgünstige Erdgaslieferungen aus Russland weg, steigen nicht nur die Verbraucherpreise, auch der Energiemix steht zur Disposition. Müssen deswegen zusätzliche Gasreservoirs in zuvor nicht erreichbaren Gesteinsschichten angebohrt werden? Welche Möglichkeiten und Gefahren bringt das sogenannte Fracking mit sich? Und dürfen außenpolitische Entscheidungen sowie eine angebliche Alternativlosigkeit zur Begründung von Fracking in Deutschland führen? Die Debatte um die umstrittene Schiefergasfördermethode ruft Umweltschutzorganisationen und Bürgerinitiativen auf den Plan, Politik und Energie- konzerne wünschen sich die neue Einnahmequelle, und die Fachwelt ist sich uneins, ob Fracking in Deutschland wirtschaftlich überhaupt sinnvoll ist.

 

 

Was ist Fracking?

Der Begriff Fracking steht für „hydraulic fracturing“, eine Erdgasfördermethode, bei der tiefliegende Gesteinsschichten angebohrt werden, in denen eingeschlossene Gasblasen liegen. Durch die Bohrschächte wird Wasser mit hohem Druck eingepresst, das diese Gesteine aufbricht und deren Durchlässigkeit erhöht, damit das Gas durch die erweiterten oder erzeugten Risse austreten und durch die Bohrlöcher gefördert werden kann. Angewendet wird diese Methode in Deutschland seit 1961, ohne dass bislang die von Kritikern befürchteten Katastrophenszenarien eingetreten wären.

 

Während der späten 70er- bis in die Mitte der 80er-Jahre wurde in Deutschland mehr und mit größerem Aufwand gefrackt als in jedem ande-ren europäischen Land; bis heute stammt der Großteil des in Deutschland erzeugten Naturgases aus Bohrungen mit Fracking-Einsatz. Die Tiefe der Bohrungen variiert dabei zwischen 700 und neuerdings aufgrund technischer Entwicklungen bis 5.000 Meter. Was unterscheidet also dieses klassische Fracking von den jüngeren Vorhaben zur Schiefergasförderung? In der Vergangenheit wurde das hydraulische Aufbrechen von unterirdischen Gesteinsschichten hauptsächlich zur Gewinnung von Erdgas angewendet, das in dichtem Sand- oder Kalkstein eingeschlossen ist (sogenanntes Tight Gas), sowie zur Förderung von Kohleflözgas (in Tiefen zwischen 700 und 2.000 Metern). Aber auch zur Gewinnung von Erdöl, der Erschließung tiefliegender Wärmereservoirs (petrothermale Geothermie) und neuerdings von Schiefergas, das in Tiefen zwischen 1.000 und 5.000 Metern zu finden ist, wird darauf zurückgegriffen. Das Fracking, von dem in der seit Jahren tosenden Debatte in Deutschland die Rede ist, zielt auf die Nutzbarmachung solchen Schiefergases aus tieferliegenden Erdschichten ab. Im Unterschied zu den bisherigen, weiter oben liegenden Gasvorkommen werden diese als unkonventionelle Lagerstätten bezeichnet, weil sie – wie Tight Gas – von extrem dichten Gesteinsschichten aus Ton- oder Ölschiefer umgeben sind, die mit den früher zu Verfügung stehenden technischen Mitteln nicht zu durchdringen waren. Ebenfalls charakteristisch für neumodisches Fracking ist der Einsatz horizontaler Bohrungen in den jeweiligen Gesteinsschichten, sodass die angepeilten Energievorräte von der Seite her angebohrt werden können. Mit der neuen Horizontalbohrtechnik werden diese unkonventionellen Lagerstätten zugänglich und wirtschaftlich rentabler. Jedoch können bei der konventionellen Erdgasförderung Lagerstätten, deren Vorräte zur Neige gehen, ebenfalls mittels Einpressen von Flüssigkeit erweitert werden, um in der Nähe befindliche Gasblasen anzuzapfen. (…)

 

 

Den ganzen Artikel gibt’s in der Oktober/November-Ausgabe 2014 ab Seite 16!