Ich, immerzu verbesserlich

„Gar nichts!“, beruhigen dann Blätterwald, Werbung, Internet und Freundeskreis, predigen salbungsvoll Achtsamkeit und loben allerorten die Imperfektion, ästhetische Fotostrecken schwarz-weiß-dick-dünner – kurz: ganz verschiedener – Menschen in Unterwäsche inklusive. Botschaft: Entspann dich! Wir sind alle schön! Scheitern als Chance! Du bist genau richtig, sei lieb zu dir! Tja, und nun? Wir wissen es ja im Prinzip: Nun sollten wir wie so oft den goldenen Mittelweg wählen. Zurzeit passiert aber häufig etwas anderes, die Zeitschrift Brigitte hat es im Spätsommer „Die Lässigkeitslüge“ genannt: Wir wollen beides auf einmal – Perfektion und Leichtigkeit, Ideal und Authentizität. Rackern uns ab für Traumfigur, – job, -familie und -ausstrahlung, bemühen uns aber, dass uns niemand dieses Abrackern anmerkt, denn das wirkte ja dann doch irgendwie verkrampft, und wer will schon so sein. „Wie schaffst du das alles nur?“ – „Ach weißt du, seit ich Yoga mache, geht das wie von selbst.“ Nee. Pustekuchen. Geht es nicht. Yoga ist super, keine Frage, praktiziere ich auch, tut Körper und Seele gut, aber nein – es hat mein Leben nicht verändert. Ich bin immer noch dieselbe, mir wird manchmal immer noch alles zu viel und in solchen Momenten sehe ich dann nicht süß „out of bed“-zerzaust aus, sondern einfach nur fertig. Bäm.

Auf Dauer wird ihn kaum jemand hinbekommen, diesen Spagat zwischen Challenge und Achtsamkeit, um das Dilemma mal mit den oben genannten und wohl zwei der beliebtesten Schlagworten der letzten Jahre grob zu umreißen. Und hey – vielleicht sollten wir einfach mal aufhören, über all das permanent nachzudenken. Bin ich glücklich? Gut genug? Habe ich die richtigen Entscheidungen getroffen? Lebe ich mit dem oder den richtigen Menschen zusammen? Achte ich genug auf mich? Und auf andere? Verrate ich meine Werte? Wo will ich noch hin?

Weiter geht’s auf Seite 3 –>