Ich, immerzu verbesserlich

„Life is what happens to you while you‘re busy making other plans“, sang einst John Lennon – leicht abgewandelt könnte es heute vielleicht heißen: „Leben ist das, was passiert, während du ständig überlegst, wie du dich fühlst und was du besser machen könntest.“ In einem Interview mit der Zeitschrift stern sprach der Psychologe Steve Ayan bereits 2014 von Studien, die „belegen, dass Menschen, die sich stark darauf konzentrieren, zufrieden zu sein, letztlich weniger Zufriedenheit erleben. Wer ständig darauf achtet, ob er auch ja glücklich ist, nimmt viel stärker wahr, wenn er es mal nicht ist.“ Der Autor des Buches „Lockerlassen: Warum weniger Denken mehr bringt“ rät zu mehr Selbstvergessenheit, dazu, einfach mal zu machen, statt lange das Für und Wider abzuwägen.

Tja, „Sei mal hübsch selbstvergessen!“, das ist natürlich zunächst mal ein ähnlich vielversprechender Rat wie das berühmte „Denk jetzt nicht an einen rosa Elefanten!“ Klappt nicht. Aber wir können es üben. Dazu sollten wir uns regelmäßig Zeit nehmen, in der wir uns einfach treiben lassen. Musik hören, Serien gucken, kreuz und quer durch die Stadt oder die Natur schlendern, in die Sauna gehen … Solche Auszeiten und auch Routinen, die wir nicht infrage stellen, braucht unser Hirn, um z.B. jenes Bauchgefühl zu entwickeln, das uns bei wichtigen Entscheidungen manchmal besser hilft als stundenlanges Grübeln. Insofern – Challenge fürs kommende Wochenende: Nutzen den ganzen oder zumindest halben Sonntag für überhaupt nichts. Kein „Carpe diem“, die Wäsche bleibt liegen, die alte Schulfreundin rufst du nur an, wenn du Lust darauf hast, nicht, weil es mal wieder an der Zeit ist. Und nein, du horchst bitte nicht lange in dich hinein, wonach dir wirklich der Sinn steht. Du tust einfach das Erstbeste, das dir in denselben kommt. Viel Vergnügen. Und psssst, ja: Du bist wirklich ganz prima.