Juli »Komplettüberwachung macht krank«

 

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Copyright: Christoph Mack

 

 

Seit zehn Jahren steht die Band Juli in der Öffentlichkeit. Warum das manchmal schwierig ist, welches Lebensgefühl ihre Musik prägt und wieso sie in der Küche lieber alleine sind, berichten uns Frontfrau Eva Briegel und Gitarrist Jonas Pfetzing, die beide seit vielen Jahren vegetarisch leben.

 

 

Ein „großes Trotzdem“ präge ihr Lebensgefühl – und damit auch ihre Musik, erzählt Eva Briegel und klingt dabei auf nachdenkliche Weise entspannt. Als Frontfrau der deutschen Pop-Rock-Band Juli hat sie mit Hits wie „Perfekte Welle“, „Geile Zeit“, „Dieses Leben“ und „Elektrisches Gefühl“ zum Soundtrack einer Generation beigetragen, der Generation der heutigen Twenty- und Thirtysomethings. Ja, auf diesem Planeten und im eigenen Leben läuft so einiges schief, trotzdem gelte es ab und an, einfach zu feiern. Und umgekehrt: Ja, gerade könnte man die Welt umarmen vor Glück, trotzdem sollte man nicht vergessen, auch deren Schattenseiten wahrzunehmen. Mit dem Album „Insel“, das am 3. Oktober erscheinen wird, legt Juli nun nach und wird vermutlich auch diesmal wieder einen Nerv treffen, der die Fans zum Grübeln, Träumen und Feiern bringt. Gemeinsam mit ihrem, wie sie selbst vegetarisch lebenden, Bandkollegen Jonas Pfetzing stand uns die Sängerin im Interview Rede und Antwort.

 

 

Mit eurem neuen Album habt ihr euch erneut viel Zeit gelassen – ganze vier Jahre. Braucht ihr zwischendurch Abstand voneinander, menschlich und künstlerisch?
Eva:
So viel Abstand hatten wir gar nicht. Das waren nur acht Wochen, den Rest der Zeit haben wir tatsächlich an unserer Musik gearbeitet. Ehrlich, ich bewundere Künstler, die jedes Jahr neue Songs auf den Markt bringen, welche dann auch noch was taugen. Pharrell Williams etwa – unglaublich, was der für einen Output hat. Wir brauchen da viel länger. Man will ja auch zufrieden sein.

 

 

Qualität vor Quantität, das ist nachvollziehbar. Ist es eigentlich so ein Journalistending, dass man sagt: Die Band ist erwachsen geworden. Oder seht ihr selbst eine Entwicklung in diese Richtung, wenn ihr euch anguckt, wo ihr heute steht?
Jonas:
Na ja, jünger werden wir nicht. (lacht)
Eva: Hast du da ein graues Haar?
Jonas: Was, echt jetzt?
Eva: Tatsache. Habe ich ausgerechnet in diesem Moment ent- deckt. Aber zur Frage – klar, wir haben uns verändert. Wir fragen uns regelmäßig, wo wir stehen und versuchen, diesen Moment einzufangen, sind immer auf der Suche …
Jonas: … und das ist dann wiederum kein neues Thema, das zieht sich durch.
Eva: Wichtig ist die Frage: Habe ich noch Träume? Wie sehen die aus? In unserem Alter bleiben die ja gerne mal auf der Strecke. Man ist irgendwie angekommen, gelandet, hat vielleicht Kinder, Stress … Da geht es dann mehr oder weniger nur noch ums „Überleben“, das beobachten wir öfters. Ich glaube, gerade jetzt ist es wichtig, zwischendurch mal innezuhalten.

 

 

Was gar nicht so leicht sein dürfte, wenn man im Fokus der Öffentlichkeit steht. Das tut ihr ja seit mittlerweile zehn Jahren. Gibt es Momente, die sich euch besonders eingeprägt haben? Angeblich haben ja sogar Leute ihre Kinder nach euch benannt.
Eva: Echt? Davon habe ich nichts mitbekommen. Aber sonst – doch, natürlich gibt es immer wieder bewegende Situationen. Wenn Menschen erzählen, dass unsere Songs sie an etwas erinnern, dass sie ein Lied zu ihrer Hochzeit gespielt haben oder dass es ihnen geholfen hat. Ich will aber nicht zu sehr ins Detail gehen, das sind manchmal ziemlich intime Dinge, die wir erzählt bekommen.

 

 

Berührend, wenn man mit der eigenen Kunst so viel bewegen kann. Aber auch eine ganz schöne Verantwortung. Irgendwie, wie soll ich sagen, ziemlich groß.
Eva:
Ja, viel zu groß eigentlich. Aber auch toll, klar. Natürlich hat der Erfolg aber auch Schattenseiten. (…)

 

 

Den ganzen Artikel gibt’s in der Oktober/November-Ausgabe 2014 ab Seite 14!