Modeindustrie: Trendy um jeden Preis

Mode-Illu

 

Todschick“ – der Name eines kürzlich erschienenen Buches über die Textilindustrie ist Programm: Hinter den Glitzer-Kulissen der Modewelt herrschen Elend und Ausbeutung. Doch es gibt Licht am Ende des Tunnels – wenn es auch derzeit noch recht schwach flackert …

 

Ein Bild, das man nicht mehr vergisst: zwei Menschen, verschüttet von Trümmern. Sein Gesicht voller Staub, ihr Kopf halb verdeckt, sein blaues T-Shirt sandbedeckt, ebenso ihr pink-orangefarbenes Kleid. Das dünne, goldfarbene Armband glänzt noch an ihrem Unterarm … Mit geschlossenen Augen umklammert der Mann die Taille der Frau, mit der er die letzten Sekunden seines Lebens geteilt hat. Ist sie seine Freundin, Frau, Schwester, Kollegin? Wir wissen es nicht. Doch die Umarmung der zwei ging um die Welt, die beiden Toten aus Bangladesch gaben der alltäglichen Ausbeutung ein Gesicht, machten aus anonymen Arbeiterinnen und Arbeitern Menschen mit Gefühlen, Träumen und Hoffnungen. Eine Aufnahme, wie sie berührender und verstörender kaum sein könnte.

 

Knapp zwei Jahre ist es her, dass die Fotografin Taslima Akhter dieses mittlerweile preisgekrönte Bild aufgenommen hat, nachdem am 24. April 2013 das Fabrikgebäude Rana Plaza in Sabhar, nahe der 25 km nordwestlich liegenden bengalischen Hauptstadt Dhaka eingestürzt war und gut dreieinhalbtausend Menschen unter sich begraben hatte. Bilanz des Unglücks: 1134 Tote, 1524 Verletzte, 322 Vermisste. Viele derer, die mit dem Leben davonkamen, verloren Arme oder Beine, sodass sie sich aufgrund ihrer Arbeitsunfähigkeit nach dem Unglück einer noch bittereren Armut ausgesetzt sehen als bereits davor. Ganz zu schweigen von den psychischen und physischen Schmerzen. Auf angemessene Entschädigungen seitens der in der Fabrik produzierenden Unternehmen warten viele der Opfer bis heute.

 

Auch wenn die globale Aufmerksamkeit den Eindruck erweckt: Der Fall Rana Plaza war zwar die bislang größte, aber nicht die erste Katastrophe dieser Art – und auch nicht die letzte. Zahlreiche Arbeiter verloren in den vergangenen Jahren bei Fabrikeinstürzen und Bränden ihr Leben. Neben Rana Plaza ist auch das Feuer in der Tazreen-Fabrik vom November 2012 mit 117 Toten und über 200 Verletzten im kollektiven Gedächtnis geblieben. Damit wir hierzulande unsere Kleiderschränke regelmäßig mit den neuesten Trends bestücken können, müssen andernorts Menschen unter unmenschlichsten Bedingungen schuften, häufig in Gebäuden, die jeglicher Einhaltung von Sicherheitsstandards entbehren, mit viel zu vielen Stockwerken auf sumpfigem Untergrund, zugemauerten Notausgängen und rissigen Wänden. Geradezu euphemistisch klingt angesichts der Zustände der Begriff „Sweatshop“, der sich für solche Ausbeuterbetriebe etabliert hat.

 

Der Leistungsdruck in diesen Produktionsstätten ist enorm: Bis zu 250 Kleidungsstücke pro Stunde muss eine Näherin bearbeiten, dafür verdient sie etwa einen Euro am Tag. Existenzsichernd wären etwa sechsmal so viel, wie die asiatische Arbeitsrechts-Allianz Asia Floor Wage errechnet hat. Dass die meisten Angestellten Analphabeten sind, die ihre Arbeitsverträge dementsprechend nicht lesen können, erleichtert deren Ausbeutung. Immerhin wird mittlerweile, nicht zuletzt aufgrund internationalen Drucks, in Bangladesch gegen Kinderarbeit gekämpft, laut Arbeitsgesetz von 2006 ist Erwerbstätigkeit für unter 14-jährige verboten. So hat die Anzahl der Kinderarbeiter zwar abgenommen, komplett durchgesetzt hat sich dieses Verbot jedoch längst noch nicht. Experten, etwa von der Internationalen Arbeiterorganisation ILO oder UNICEF, schätzen, dass nach wie vor zwischen etwa zehn und 15 Prozent aller Kinder zwischen fünf und 14 Jahren zum Lebensunterhalt ihrer Familien beitragen, häufig zwölf Stunden täglich oder auch mehr. In anderen asiatischen Ländern sieht es kaum besser aus. Rund 48 Millionen asiatische Minderjährige müssen laut ILO harte Arbeit verrichten, fünf bis sieben Millionen davon allein in Bangladesch, und dort häufig in der Textilindustrie. (…)

 

Den ganzen Artikel gibt’s ab Seite 18 in der Februar/März-Ausgabe 2015, die Sie hier bestellen können. Alle Hefte schicken wir Ihnen portofrei zu.