Nena: „Auch Pflanzen haben eine Seele!“

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Foto: Ester Haase
Foto Vorschau: Alexander Huseby

 

Rohkost-Fan, Popstar, Oma – Nena vereint viele Facetten, muss sich jedoch, anders als manche Kollegin, nicht ständig „neu erfinden“, um sich zu wandeln. Im Interview erzählt sie von musizierenden Wäldern, ihrem Kollegen Samy Deluxe – und warum sie sich manchmal gerne festen Regeln unterwirft …

 

Sie gilt als nicht ganz einfach. „Die schwierigste Interviewpartnerin, die ich je hatte!“, soll gar mal ein Kollege behauptet haben. Man munkelt, sie breche Interviews ab, wenn sie das Gefühl hat, dass die Chemie nicht stimme. Finde ich das unverschämt? Cool? Einfach ehrlich? Hm. In erster Linie macht es mir Angst. Und dann treffe ich diese Ikone der deutschen Popgeschichte. Treffe Nena – und es wird einfach sehr, sehr nett.

 

In deinem neuen Album „Oldschool“ dreht sich viel um das Thema „Zeit“. Ich war ganz stolz, dass ich diesen roten Faden beim Hören entdeckt hatte – und kurz danach las ich, dass das sowieso im Pressetext erwähnt wird.
(lacht) Echt, war das so? Interessant.

 

Ja. Aber mich hat getröstet, dass ich offenbar was kapiert hatte. Es gibt da zum Beispiel das Lied „Berufsjugendlich“. Wie gehst du damit um, wenn du mit so einer Beurteilung konfrontiert wirst?
Na, eben genau so – mit Humor. In dem Lied hört man ja deutlich das Augenzwinkern raus. Es gibt offensichtlich eine ziemlich klare Vorstellung davon, wie eine Frau mit 54 zu sein und auszusehen hat. Der Song ist eine humorvolle Antwort auf derartige Glaubensmuster. Klar, ich bin erwachsen, Mutter, Großmutter sogar, aber ich darf doch trotzdem weiter die Musik machen und die Kleidung tragen, die ich will.

 

Na ja, du entsprichst halt nicht gerade dem Großmutterklischee.
Aber das liegt nicht an mir. Sondern am Klischee. Manchmal sagen Leute, die gerade 50 oder 60 werden, sie fühlen sich wie 16. Aber was heißt das denn? Ich weiß letztlich überhaupt nicht, woran man das festmachen soll.

 

Das ist vielleicht ein bisschen der Versuch, mal wieder die Welt zu ordnen. Indem man einer Alterskategorie bestimmte Eigenschaften zuschreibt. Ich kann sagen, dass ich mich tatsächlich wie knapp 39 fühle – allerdings nicht so, wie ichvor 20 Jahren gedacht hätte, dass sich 39 anfühlt.
Genau.

 

Dass „sich alt fühlen“ negativ besetzt ist, stört mich auch. Aber vielleicht hänge ich zuviel an Worten.
Nee, verstehe ich total. Worte sind ja auch wichtig.

 

Und Zeit, wie wichtig ist die? Ich unterstelle ja eigentlich, dass du ein Mensch bist, der sehr im Jetzt lebt …
Ach, ich denke, das tun wir alle. Es ist uns nur nicht immer so bewusst. Aber wir haben eben nur den Moment. (lacht) Den ewigen Moment. Auch wenn man plant oder mit den Gedanken in die Vergangenheit rauscht – es ist immer alles im Jetzt. Anders geht es doch gar nicht.

 

Wie passt es dann zusammen, dass man doch immer wieder einen Blick zurückwirft, wie du es auch auf dem Album tust?
Na, perfekt! Der Blick zurück ist der Blick nach vorne. Denn das, was ich alles erlebt habe, ist ja ein Teil von mir. Ich dachte früher mal, dass ich meine Vergangenheit irgendwie ablegen kann. Aber das ist Quatsch – es ist alles eins und gehört zusammen. Darüber mache ich mir nicht mehr so viele Gedanken.

 

Eigentlich denke ich das auch. Aber dann erwische ich mich, dass ich ganz viele Fotos mache und mein Herz an Sachen hänge oder an Vergangenes …
Aber das ist ja nicht vergangen. Es ist irgendwie vorbei und durchlebt, aber nicht verloren.

 

Sondern ein Teil von einem.
Genau. Ich glaube, das, was wir meinen, wenn wir vom Hier und Jetzt reden, ist der Wunsch nach Bewusstheit. Der tiefe Wunsch, alles bewusst wahrzunehmen. Im Sinne von … (überlegt) Ganz ehrlich: Ich habe auch überhaupt keine Ahnung, merke ich gerade. Das Hier und Jetzt … Hmmm …
(…)

 

Den ganzen Artikel gibt’s ab Seite 14 in der April/Mai-Ausgabe 2015, die Sie hier bestellen können. Alle Hefte schicken wir Ihnen portofrei zu.