VEGGIE-MUM 2.0: Der Thunfisch-Eklat

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Aus dem Leben einer veganen Mutter

Mein Blick wandert zwischen meiner Tochter auf der Rückbank und meiner Kollegin auf dem Beifahrersitz hin und her. Würde über meinem Kopf comic-like eine Gedankenblase schweben, wären darin wohl die übelsten Schimpftiraden des Jahrhunderts zu lesen und die Panzerknacker-Bande vor Scham im Boden versunken. Zum Glück spreche ich das, was ich denke nicht laut aus und das Auto parkt bereits. „Ich musste heute Thunfisch essen.“ Der Satz aus dem Mund meiner Tochter machte mich wütend und hilflos zugleich. Auf mein Nachfragen hin, erzählt sie weiter: Es gab einen spanischen Kuchen mit Thunfisch gefüllt zum Mittagessen und weil es nichts anderes gab, musste sie den essen. Ihre kindlichen Worte und ihr trauriger Gesichtsausdruck ließen mich noch hilfloser werden, als ich es ohnehin schon war. Nochmal festgehalten: Meine Tochter besucht einen vegetarischen Kindergarten. Und ist Fisch vegetarisch? Eben!

Am nächsten Morgen erwische ich die Praktikantin, die mir die Erzählung meiner Tochter bestätigt. Ja, es gab Thunfisch und keine vegetarische Alternativen. Dieser Unterhaltung folgt ein Austausch mit der anderen veganen Familie im Kindergarten. Zu zweit rücken der vegane Leidensgenosse und ich nun vor und haken bei der Kindergartenleitung nach. Eine Ausnahme sei es gewesen und außerdem war für eine vegetarische Alternative gesorgt. Hä, was denn nun? Komisch, aber wahr, ich gebe mich vorerst mit der Ausage zufrieden und nehme mir für die Zukunft vor, es meinem veganen Leidensgenossen gleichzutun: Der Vater erzählte einfach von einer Allergie mit möglichen Todesfolgen für seinen Sohn. Ich bin mir sicher, er bauschte das Ganze etwas auf. Aber wenn’s hilft!

 

 

Kim Schumacher ist Mutter einer vierjährigen Tochter und lebt seit 2013 vegan. Sie ist Redakeurin des Veggie Journals und berichtet regelmäßig aus ihrem veganen Familienalltag. Gemeinsam mit Tochter und Hündin lebt Schumacher in München.