Verkehr: Die mobile Gesellschaft

 

Höher, schneller, weiter. Wir essen Obst aus Übersee, jetten in den Ferien um die Welt, pendeln zum Arbeiten in die City und transportieren Getränkekisten im Kofferraum. So weit, so gut. Doch die Allgegenwart von Transportmitteln wie Autos, Flugzeugen und Güterschiffen hat einen hohen Preis.  Gibt es Alternativen zum täglichen Verkehrs-Wahnsinn?

 

 

Kaffeebohnen aus Kolumbien, Tomaten aus Spanien, Kiwis aus Neuseeland, Erdnüsse aus den USA und Wein aus Südafrika: In den Regalen der Supermärkte versammeln sich Erzeugnisse aus aller Welt zum selbstverständlichen Stelldichein. Die Wegstrecken, die die Produkte zurücklegen müssen, um auf unseren Esstischen zu landen, und die komplizierte Logistik, die mit dem Transport verbunden ist, macht man sich allzu oft kaum bewusst; sie werden als gegeben hingenommen, da sie sich kaum auf die Preisgestaltung auszuwirken scheinen. Dabei verstecken sich in den Wegen, die Konsumgüter, aber auch Reisende zurücklegen, Kosten ganz anderer Art, die Umwelt, Gesundheit und Gesellschaft belasten. Grund genug, einen genaueren Blick auf die Art und Weise zu werfen, wie unsere Verkehrssysteme entstanden sind und welche Chancen für größere Umweltverträglichkeit sie besitzen. Menschen sind Nomaden. Seit jeher treiben uns Neugier oder Notwendigkeit aus unserer gewohnten Umgebung, und seit unsere Vorfahren sesshaft geworden sind und gelernt haben, die Erträge aus der Landwirtschaft zu optimieren, wurden aus losen Trampelpfaden Handelsstraßen oder Karawanenrouten. Der Globus wurde erschlossen, die Streckennetze ausgebaut. Heute bedeckt ein Gewebe aus Asphalt die Kontinente, dazwischen schieben sich gigantische Containerschiffe über die Weltmeere, und über jenen brausen Frachtflugzeuge dahin, um alle denkbaren Erzeugnisse noch in die entlegensten Winkel des Planeten zu transportieren.

Über Jahrhunderte waren Reisen und Gütertransporte Mittel zum Zweck, mit zahlreichen Gefahren verbunden und zumeist höchst unbequem. Seit der Industrialisierung machte sich der Mensch die Naturgesetze zunutze; Dampfmaschinen ermöglichten den schnelleren Transport immer größerer Lasten über große Distanzen. Von England aus läuteten Eisenbahnen und Dampfschiffe die Neuzeit ein – die rasant wachsenden Schienennetze wurden zum Rückgrat des weltumspannenden Handels, zum Skelett einer gigantischen Wirtschaftsmaschinerie, durch deren Adern Menschen, Güter und Neuigkeiten mit exponentiell ansteigender Geschwindigkeit rasen, was die Grundlagen unserer Existenz fundamental revolutionierte. Heute sind sowohl Industrie und Konzerne wie auch die Menschen als Konsumenten gefragt, am überlebensnotwendigen Wandel zu umweltverträglicher Energieproduktion beizutragen; die einen durch Entwicklung neuer Technologien, die anderen durch Anpassung ihres Konsumverhaltens. Der Transport großer Warenmengen reduziert den CO2-Fußabdruck pro Stück bis zu dem Punkt, wo der Apfel aus Südafrika scheinbar weniger schwerwiegend auf die Umwelt wirkt, als der Apfel, der vom Feld per Dieselmotor in die benachbarte Stadt transportiert wird. Fraglich ist jedoch, ob eine Konsumgesellschaft wie die unsere wirklich auf ein permanentes Überangebot angewiesen ist, von dem beachtliche Teile als (neuwertiger) Müll weggeworfen werden – was die urbane Guerilla-Strategie des Containerns hervorgebracht hat.

 

 

Blumen auf Weltreise

 

Das Reichtumsgefälle zwischen dem Westen und den ärmeren Weltregionen hat nicht nur die Verlagerung von Arbeitsplätzen in Billiglohnländer zur Folge, sondern auch die – mitunter absurde – Ausdehnung des Güterverkehrs. Ein bekanntes Beispiel sind die Tiefkühlkrabben, die sich seit den 90er-Jahren zunehmender Verbreitung erfreuen: Mit dem Kühllaster geht’s von der Nordseeküste quer durch Europa bis nach Marokko, wo sie zu ortsüblichen Löhnen gepult werden, um im Anschluss den Rückweg nach Deutschland anzutreten. Zwischen Fang und Verzehr legen die jährlich etwa 25.000 Tonnen Krabben so in dreieinhalb Tagen einen Weg von ca. 6.000 Kilometern zurück. Das Ansammeln von „food miles“, also der Entfernung, die ein Nahrungsmittel zurücklegt, bevor es auf dem Teller landet, ist einer der Faktoren, die beim Einkauf berücksichtigt werden können; eine Orientierung hin zu regionaleren Schwerpunkten im Sortiment kann die Folge sein, wenn die Fernimporte gerade von außersaisonalem Obst und Gemüse bei der Kundschaft weniger Absatz finden. (…)

 

Den ganzen Artikel gibt’s in der August/September-Ausgabe 2014 ab Seite 18!