Warenkunde: Fenchel. Viel mehr als nur Magentee

Warenkunde: Fenchel. Viel mehr als Magentee

Seine heilende Wirkung bei Beschwerden wie Magenschmerzen oder Erkältung hat dem Fenchel ein zweifelhaftes Image beschert: Trotz seines wohltuenden Effekts ist Fencheltee für viele der Inbegriff des Unwohlseins. Zu Unrecht, denn die magische Knolle ist in der Küche und der Medizin nichts weniger als ein (Fast-)Alleskönner.

Familie: Doldenblütler (Apiaceae)

Arten: Vom Echten Fenchel oder Garten-Fenchel (Foeniculum vulgare) gibt es drei Arten: Gemüsefenchel, Gewürz- oder Süßfenchel sowie Wilder Fenchel oder Bitterfenchel. Die Frucht der beiden letzteren unterscheidet sich durch Aussehen, Geruch und Geschmack. Die des bitteren Fenchels sieht gelblich- bis grünlich-braun aus, riecht stark würzig und schmeckt leicht bitter. Die des süßen Fenchels ist in ihrer Farbe deutlich heller, riecht würzig und besitzt ein süßliches Aroma.

Nährwert: Krampflösend, appetitanregend, cholesterinsenkend: Fenchel hat auf vielen Ebenen heilende Wirkung. Besonders fette Speisen werden durch die Beigabe von Fenchel leichter verdaulich. Außerdem enthält das kalorienarme Gemüse ätherische Öle, die eine positive Wirkung auf die Schleimhäute haben, reichlich Vitamin C und zahlreiche Mineralstoffe.

Verwendung: Fenchel findet sich nicht nur als Zutat und Gewürz in Gemüsegerichten und Gebäck, sondern als medizinischer Zusatz in Bonbons, Zahncreme oder Seife. Er verfeinert Likör wie Absinth oder Pastis und regt bei stillenden Frauen die Milchbildung an. Nicht nur Kindern hilft er unter anderem bei Erkältungen, Unruhe und Bauchschmerzen.

Einkauf: Fenchel kommt ursprünglich aus dem Mittelmeergebiet und wird heute in den gemäßigten Zonen Europas, Asiens, Afrikas und Südamerikas angebaut. In Deutschland ist er zwischen Juni und September erntefrisch erhältlich.

Lagerung: Knollenfenchel wird am besten bei 0 bis 5 °C und einer Luftfeuchte von 90 bis 95 Prozent zum Beispiel im Gemüsefach des Kühlschranks gelagert.

In Indien und im Mittelmeerraum wissen die Menschen wahrscheinlich nicht, warum die Deutschen derart mit dem Fenchel hadern: Dort ist das bis zu zwei Meter hoch wachsende Knollengemüse Bestandteil aromatischer Eintopf- und Schmorgerichte, gerne in Kombination mit süßlichen Zutaten wie Orangen und Vanille, und als Gewürz nahezu unverzichtbar. Fenchelsamen werden in Brote eingebacken und mit Zucker-ummantelung nach den Mahlzeiten als Munderfrischer gegessen. Die Blätter des Fenchels können fein gehackt zum Würzen von Suppen, Salaten, Dips und Salatdressings eingesetzt werden. Sogar die Pollen finden als seltenes Gewürz Verwendung.

Abseits der Geschmacksnerven überzeugt vor allem der bittere Fenchel als Allrounder, was leichte gesundheitliche Beschwerden betrifft. Die wirksamen Inhaltsstoffe befinden sich in den Fenchelfrüchten und dem darin reichlich enthaltenem ätherischem Öl. Seit der Antike wird Fenchel bei Menstruations- und Verdauungsstörungen, Blähungen und Husten eingesetzt. Die alten Römer schenkten Frauen zur Geburt gar einige Knollen, weil man glaubte, diese würden Fliegen von den Neugeborenen abhalten. Auf solche Gedanken kommt heutzutage wohl kaum jemand mehr, die Heilkraft des Fenchels bleibt aber weiter unbestritten. Bei Erwachsenen und Kindern verwendet man Sirup aus den Früchten oder Presssaft aus dem frischen Kraut gegen chronischem Husten und Atem-wegskatarrh.
Auch Beruhigungstee für Säuglinge enthält traditionell Fenchelfrüchte. Äußerlich wirkt Fenchel bei Hautproblemen, Bindehaut und Augen-lidrandentzündung. Das nach Anis riechende und schmeckende Fenchelöl wird wie die Früchte eingesetzt, und auch Fenchelhonig fehlt in keiner traditionellen Hausapotheke.

Der römische Gelehrte Plinius

(ca. 23-79 n. Chr.) behauptete gar, Fenchelgenuss würde Kraft und Mut steigern, die Jugend verlängern, „hängende Mannesruten aufrichten“ und die „leiblichen Geister“ wecken. Andere Gespenster soll das Gemüse dagegen einem Aberglauben zufolge eher vertreiben: Ein überlieferter Brauch besagt, am Johannistag müsse Fenchel in die Schlüssellöcher eines Hauses gesteckt werden, um böse Dämonen das ganze Jahr über fernzuhalten.

Doch auch der viel geschmähte, sagenumwobene und dabei so köstliche und heilsame Fenchel hat eine Tücke: Seine Früchte sehen den giftigen Schierlingsfrüchten täuschend ähnlich. Falls du ihn also selbst sammeln wolltest, besteht Verwechslungsgefahr!